Zur Geschichte des deutschen Liberalismus
Der deutsche Liberalismus weist zwei Besonderheiten auf, die sich verhängnisvoll
auswirkten und in Deutschland keine gefestigte liberale Tradition wie in England oder
Frankreich entstehen ließen. Dies sind seine historische Verspätung aufgrund
der ökonomisch-politischen Rückständigkeit Deutschlands und - in Verbindung
damit - sein Zurücktreten hinter der nationalen Einigung. Schon im Vormärz
zerfällt er in eine demokratisch-revolutionäre Bewegung, die kleinbürgerlich
geprägt ist, und in eine konstitutionalistisch-legalistische Richtung, die vom
Großbürgertum bestimmt wird. Schon in dieser Zeit grenzen sich die radikal-liberalen
Demokraten von den "Halben, den sogenannten Liberalen" ab.
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In der Revolution von 1848/49 kommt es dann zum offenen Bruch zwischen dem radikalen
Flügel, der eine demokratische Republik unter Einbeziehung Österreichs will,
und den gemäßigten Liberalen, die eine konstitutionelle Monarchie unter
preußischer Führung anstreben.
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Die Abspaltung der Sozialdemokratie läßt den Liberalismus ab den sechziger
Jahren zu einer exklusiv bürgerlichen Richtung werden. "Liberal" wird in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast zum Synonym für bürgerlich,
wobei der tonangebende Teil des Bürgertums, der nun als "Nationalliberale Partei"
firmiert, sogar offen mit den antiliberalen Machthabern paktiert.
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Nach der Abspaltung der Nationalliberalen verkümmert der Linksliberalismus
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ohnmächtiger Resignation.
Durch den evangelischen Pfarrer Friedrich Naumann erfährt er eine scheinbare
Neubelebung, die jedoch eher demagogischer Art ist.
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Nach dem ersten Weltkrieg entsteht die Deutsche Demokratische Partei (DDP) als
linksliberale Sammelbewegung. Sie bleibt jedoch so schwach wie die Republik von Weimar,
deren Geist sie wie keine andere Partei repräsentiert.
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Zu den Gründungsmitgliedern der DDP gehört auch der AEG-Präsident
Walther Rathenau, der 1922 von Fanatikern der Rechten ermordet wird. Bekannt wird
er vor allem als Politiker und Schriftsteller. Seine ethisch inspirierte Kapitalismus-Kritik
verdient weiterhin Beachtung.
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Wie konnte es geschehen, daß am Ende der Republik von Weimar die DDP auf
0,8 Prozent abschmolz und die meisten Wähler der bürgerlich-liberalen Parteien
zur NSDAP wechselten? An einem Rundfunkvortrag des prominenten liberalen Politikers
Willy Hellpach zum Thema "Liberalismus" läßt sich darstellen,
wie morsch die politisch-geistige Substanz der Republik war.
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Als Zwitter aus liberalen Traditionen und schwarz-weiß-roter Unbelehrbarkeit
mit deutlichen braunen Flecken betritt 1949 die "Freie Demokratische Partei" (FDP)
die parlamentarische Bühne der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland.
Sie gewinnt erst allmählich liberales Profil, erlangt aber als "Zünglein
an der Waage" relativ starken Einfluß auf das politische Geschehen und überlebt
als einzige der kleineren Nachkriegs-Parteien.
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(siehe separates Inhaltsverzeichnis)