März 2023

230306

ENERGIE-CHRONIK



Über acht Milliarden Euro hat bisher der "Umweltbonus" gekostet, mit dem seit 2016 die Anschaffung von Pkw mit Elektroantrieben gefördert wird. Ein großer Teil dieser Gelder entfiel dabei auf "Plug-in"-Hybride, die auch mit Strom aus dem Netz "betankt" und gefahren werden können, faktisch aber nur modifizierte Verbrenner-Fahrzeuge mit entsprechenden Emissionen sind. So wurden sogar schwere SUV-Fahrzeuge mit elektrischem Hilfsantrieb förderfähig (201007). Damit ist nun Schluss, und ab 2024 gibt es den auf 3.000 Euro gesenkten Fördersatz für reine Elektroautos nur noch dann, wenn der Nettolistenpreis nicht höher als 45.000 Euro ist.

Mehr als eine Million Pkw fahren in Deutschland nur mit Elektroantrieb

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als eine Million Pkw, die nur mit Elektroantrieb fahren und den dafür benötigten Strom in aller Regel aus Batterien beziehen. Wie das Kraftfahrtbundesamt am 3. März mitteilte, erhöhte sich der Bestand im Laufe des vorigen Jahres um 63,8 Prozent auf 1.013.009 Fahrzeuge. Das ist vierzigmal soviel wie 2016, als die damalige Bundesregierung das erste Subventionsprogramm zur Erhöhung der Verkaufszahlen beschloss, das die Industrie mit einem Rabatt auf den nominellen Verkaufspreis unterstützte (160403).

Das Ziel von "mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030" wird kaum zu erreichen sein

Nach dem anfangs sehr schwachen Interesse an der Kaufprämie (180102) gelang es so mit großem finanziellen Aufwand doch noch, den Anteil der reinen Elektroautos am Pkw-Bestand von 0,06 auf 2,1 Prozent zu erhöhen. Der innerhalb von sechseinhalb Jahren erzielte Zuwachs um rund eine Million ist aber noch immer viel zu wenig, um einen Bestand von "mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030" zu erreichen, wie es sich die gegenwärtige Bundesregierung im Koalitionsvertrag zum Ziel genommen hat. Das würde voraussetzen, dass ab 2023 jedes Jahr im Durchschnitt mindestens 1,75 Millionen Elektroautos neu zugelassen werden.

Zuschussbedarf stieg binnen drei Jahren von 0,98 auf 3,4 Milliarden Euro

Der mehrfach verlängerte und aufgebesserte staatliche "Umweltbonus" zur Förderung der Elektromobilität hat seit dem Start des Programms über acht Milliarden Euro gekostet. Allein im Dezember 2022 wurden mehr als 220.000 Anträge gestellt und im ganzen Jahr 2022 mehr als 820.000. Parallel stiegen die durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ausgezahlten Zuschüsse, die 2019 noch bei rund 98 Millionen Euro lagen, im vergangenen Jahr auf über 3,4 Mrd Euro.

Trotz zweifelhaften Umweltnutzens wurden auch Plug-in-Hybride gefördert

Von Anfang an wurde der "Umweltbonus" in etwas geringerer Höhe auch für sogenannte Plug-in-Hybride gewährt. Diese verfügen über eine stärker dimensionierte Batterie als normale Hybride, bei denen der Strom für den ersatzweise verfügbaren Elektromotor nur vom Verbrennungsmotor erzeugt wird. Vor allem lässt sich die Batterie wahlweise oder sogar ausschließlich über einen Steckkontakt aus dem Netz aufladen. Plug-in-Hybride können so prinzipiell wie ein Elektroauto ohne Auspuffgase betrieben werden. Faktisch handelt es sich aber weiterhin um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die in der Praxis überwiegend auch so gefahren werden und entsprechende Emissionen freisetzen. In der Werbung werden sie als Elektroantriebe "ohne Reichweitenangst" angepriesen, weil sich die Fahrt nach Erschöpfung der Batterie jederzeit mit dem Verbrennungsmotor fortsetzen lässt.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2.337.897 Hybrid-Pkw verkauft. Davon waren 864.712 Plug-in-Versionen. Die Gesamtzahl der Hybride war also um 131 Prozent höher als die der reinen Elektrofahrzeuge, wobei die förderfähigen Plug-in-Versionen einen Anteil von 37 Prozent ausmachten und nur um 15 Prozent hinter der Gesamtzahl der reinen Elektrofahrzeuge zurückblieben (siehe Grafik).

Förderung ist jetzt auf reine Elektroautos beschränkt und wird ab 2024 gesenkt

Seit 1. Januar 2023 ist der Geldregen für Plug-in-Hybride endlich gestoppt. Die Förderung gibt es jetzt nur noch für reine Elektroautos, die den Strom aus Batterien oder Brennstoffzellen beziehen. Wenn der Nettolistenpreis des Fahrzeugs bis zu 40.000 Euro beträgt, gibt es 4.500 Euro. Wenn er höher ist, sinkt der Zuschuss auf 3.000 Euro, und bei Preisen über 65.000 Euro entfällt er ganz. Ab 1. September 2023 wird die Förderung auf Privatpersonen beschränkt. Ab 2024 gilt ein einheitlicher Fördersatz von 3.000 Euro, wobei der Nettolistenpreis nicht höher als 45.000 Euro sein darf.

Knapp 45 Millionen Pkw sind weiterhin auf Benzin und Diesel angewiesen

Die rund 48,8 Millionen Pkw aller Bauarten machen den größten Teil des deutschen Fahrzeugbestands aus. Davon fahren auch jetzt erst 2,1 Prozent rein elektrisch. Der Rest wird weiterhin mit fossilen Brennstoffen angetrieben. Knapp 45 Millionen Pkw bleiben auf Mineralöl angewiesen. Bei den Diesel-Fahrzeugen verringerte sich der Bestand im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent und bei den Benzinern um 1,4 Prozent. Auch Antriebe mit Erdgas (- 2 Prozent) und Flüssiggas (- 1,4 Prozent) waren rückläufig. Trotzdem haben 2022 die Treibhausgas-Emissionen im Verkehrsbereich stark zugenommen (230308).  

Anteil der Elektroantriebe am Bestand stark unterschiedlich

Die folgende Tabelle zeigt, dass der "Bestand an Pkw mit Elektroantrieb" – eine Formulierung des Kraftfahrtbundesamts, die sowohl reine Elektrofahrzeuge als auch Plug-in-Hybride umfasst – in den 81 deutsche Groß- und Landeshauptstädte sehr unterschiedlich ist. Den höchsten Anteil erreicht Wiesbaden mit 11 Prozent, während er in Salzgitter fast sechsmal geringer ist:

 

Bestand an Pkw mit Elektroantrieb in Groß- oder Landeshauptstädten in Prozent

(am 1.10.2022, einschließlich Plug-in-Hybride)

Wiesbaden 11 Siegen 4,1 Solingen 3,6 Moers 3
Stuttgart 7,9 Offenbach am Main 4,1 Bochum 3,6 Lübeck 2,9
Frankfurt am Main 7,6 Ulm 4,1 Heilbronn 3,6 Hagen 2,8
Wolfsburg 7 Würzburg 4,1 Göttingen 3,5 Leipzig 2,8
Braunschweig 6,7 Kassel 4 Mülheim an der Ruhr 3,5 Erfurt 2,8
München 6 Koblenz 4 Dortmund 3,5 Oberhausen 2,7
Ingolstadt 5,9 Oldenburg 3,9 Saarbrücken 3,5 Hamm 2,7
Düsseldorf 5,6 Leverkusen 3,9 Berlin 3,5 Jena 2,7
Aachen 4,8 Gütersloh 3,9 Wuppertal 3,4 Bottrop 2,6
Hamburg 4,6 Heidelberg 3,9 Remscheid 3,3 Dresden 2,5
Trier 4,6 Reutlingen 3,9 Nürnberg 3,3 Bremerhaven 2,4
Karlsruhe 4,6 Erlangen 3,9 Augsburg 3,3 Gelsenkirchen 2,4
Köln 4,5 Hannover 3,8 Fürth 3,2 Recklinghausen 2,4
Darmstadt 4,5 Neuss 3,8 Potsdam 3,2 Chemnitz 2,4
Münster 4,4 Mannheim 3,8 Kiel 3,1 Magdeburg 2,3
Paderborn 4,4 Freiburg im Breisgau 3,8 Hildesheim 3,1 Duisburg 2,2
Regensburg 4,4 Essen 3,7 Bremen 3,1 Herne 2,2
Bielefeld 4,2 Bergisch Gladbach 3,7 Mönchengladbach 3,1 Rostock 2,1
Osnabrück 4,1 Mainz 3,7 Ludwigshafen am Rhein 3,1 Schwerin 2
Bonn 4,1 Pforzheim 3,7 Krefeld 3 Halle (Saale) 2
  Salzgitter 1,9


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