Dezember 2016

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ENERGIE-CHRONIK


 


An Heiligabend fiel der Strompreis erstmals zwischen 2 und 4 Uhr morgens in den negativen Bereich. Am ersten Weihnachtstag erreichte er zwischen 2 und 3 Uhr einen vorläufigen Tiefpunkt mit 38,78 Euro Aufgeld pro verschenkter Megawattstunde. Am zweiten Weihnachtstag folgte zwischen 6 und 8 Uhr morgens ein noch tieferer Einbruch mit über 67 Euro Aufgeld. Und auch am frühen Morgen des 27. Dezember war eine Zuzahlung von bis zu 53,62 Euro erforderlich, um überhaupt einen Abnehmer zu finden.

Zu Weihnachten gab es Strom geschenkt und 28 Millionen Euro noch dazu

Über Weihnachten kam es an der Strombörse Epex Spot wieder zu starken Negativpreisen, weil einem Überangebot an Strom nur eine schwache Nachfrage gegenüberstand. Noch am 22. Dezember hatte der stundengewichtete Durchschnittspreis für die Megawattstunde bei 45,23 Euro gelegen. Am 24. Dezember sank er auf 8,45 Euro ab. An den beiden Weihnachstagen stürzte er im Tagesmittel sogar unter die Nullgrenze und wurde zum Aufpreis von 2,70 bzw. 12,25 Euro pro Megawattstunde. Zeitweilig mußten dem Strom bis zu 67 Euro/MWh hinterhergeworfen werden, um ihn überhaupt loszuwerden. Auch am ersten Werktag nach Weihnachten bewegte sich der Preis zunächst noch sieben Stunden lang im Minusbereich.

Den spärlichen Erlösen von 24,08 Millionen Euro, die zeitweise oberhalb der Nullgrenze erzielt wurden, standen Zuzahlungen von 27,93 Millionen Euro gegenüber. Insgesamt konnte so an diesen vier Tagen eine Strommenge von 3,33 Terawattstunden nur gegen einen Aufpreis von 3,85 Millionen Euro abgesetzt werden. Besonders krass war das Ungleichgewicht am zweiten Weihnachtsfeiertag, an dem für eine Strommenge von 873.884 Megawattstunden nur 1,73 Millionen Euro erlöst wurden, aber 12,68 Millionen Euro an Zuzahlung anfielen (siehe Grafik).

Vor drei Jahren kostete die weihnachtliche Stromvernichtung sogar 94 Millionen Euro

Die Entwicklung der Strom-Spotmarktpreise vom 24. bis 27. Dezember weist große Ähnlichkeit mit der vor drei Jahren auf, als die weihnachtliche Stromvernichtung sogar 94 Millionen Euro kostete (130101). So wie damals dürfte der Stromüberschuß auf ein besonders hohes Windstromaufkommen bei mangelnder Abregelung konventioneller Kapazitäten zurückzuführen sein. Der Großteil des unverkäuflichen Stroms hat wahrscheinlich in Österreich doch noch einen Abnehmer gefunden.

Ab sechs Stunden Negativpreisen entfällt für neuere Anlagen die Förderung

Seit 1. Januar 2016 entfällt gemäß § 24 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für neue EEG-Anlagen die Förderung, wenn die Preise an der Epex Spot an mindestens sechs aufeinanderfolgenden Stunden negativ sind, und zwar für den gesamten Zeitraum. Diese Bestimmung gilt für Windkraftanlagen ab 3 Megawatt und für sonstige Neuanlagen ab 500 Kilowatt. Sie greift demnach im vorliegenden Fall gleich dreimal, denn an den beiden Weihnachtstagen war der Strompreis in neun aufeinanderfolgenden Stunden negativ und am 27. Dezember in acht Stunden.

 

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