März 2026 |
260315 |
ENERGIE-CHRONIK |
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Eines der kleineren Kraftwerksschiffe, wie sie von 2019 bis 2025 vor der kubanischen Küste eingesetzt wurden: Bei dieser Bauart ist das Kraftwerk auf einer Barge angebracht, die von einem Schlepper an die wechselnden Standorte vor der Küste gezogen wird. Es gibt aber auch selbstfahrende Ausführungen. Quelle: Havana Times
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In Kuba kam es am 16. und 21. März zu landesweiten Totalausfällen der Stromversorgung, die erst nach mehr als 24 Stunden wieder behoben werden konnten. Der erste Zusammenbruch wurde anscheinend durch Netzüberlastung ausgelöst, weil einem Spitzenbedarf von 3150 MW nur eine verfügbare Leistung von 1220 MW gegenüberstand. Der zweite Blackout entstand durch den Ausfall eines Kraftwerksblocks, der die Abschaltung weiterer Kraftwerke zur Folge hatte.
Der Inselstaat leidet seit Anfang der zwanziger Jahre unter einer chronisch gewordenen Energiekrise. Zeitlich und regional begrenzte Stromabschaltungen sind seitdem an der Tagesordnung (siehe Kasten). Neben solchen netztechnisch bedingten Abschaltungen gibt es jedes Jahr ungeplante landesweite und regionale Stromausfälle. So kam es im September vorigen Jahres zum fünften landesweiten Stromausfall binnen zwölf Monaten sowie zu einem Teilausfall in den fünf östlichen Provinzen.
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Wie aus einem Bericht des "Deutschen Büros zur Förderung von Handel und
Investitionen in Kuba" vom September vorigen Jahre hervorgeht, beruht die
kubanische Stromversorgung auf drei bzw. vier wesentlichen Säulen: Noch aus
Sowjetzeiten stammende Wärmekraftwerke sind für einen Großteil der Stromerzeugung
verantwortlich. Hinzu kommen kleinere Gaskraftwerke und dezentrale Diesel- und
Heizölmotoren, sowie türkische Kraftwerksschiffe. Von den ehemals acht schwimmenden
Kraftwerken seien allerdings nur noch zwei im Hafen von Havanna übrig.
Im August 2025 verschwand dann auch das mit einer Leistung von 240 MW vorletzte und leistungsstärkste Schiff. Inzwischen hat der türkische Anbieter Karpowership sämtliche Kraftwerksschiffe zurückbeordert. Der Grund ist anscheinend ein Streit um die Kosten der Stromerzeugung. Da Karpowership mit der türkischen Regierung liiert ist, könnte aber auch US-Druck auf Ankara eine Rolle gespielt haben.
Wie es in dem Bericht weiter heißt, begründet die Regierung die mangelnde Erzeugungskapazität mit der Stilllegung alter Kraftwerke sowie Ausfällen und Havarien. Es fehle zudem an Mitteln für Wartung und Investitionen und für die Beschaffung von Brennstoff. Nachdem Partner wie Venezuela unter US-amerikanischen Druck ihre Lieferungen reduzieren mussten, sei zwar Mexiko eingesprungen, verlange aber die Bezahlung zu Weltmarktpreisen mit Devisen, über die Kuba nicht verfügt. Als zusätzliche Belastung zu den "sehr harten Sanktionen der USA, die das Land wirtschaftlich und finanziell strangulieren", seien der Tourismus und die Exportwirtschaft seit der Pandemie nicht mehr in Schwung gekommen. (Hierzu muß angemerkt werden, dass auch Mexiko im Januar seine Öl-Lieferungen unter dem Druck der USA eingestellt hat, da Trump allen Ländern mit Strafzöllen drohte, die sich nicht an das Embargo halten.)
Im Februar setzte die kubanische Regierung ein umfangreiches Paket von Steuer- und Zollanreizen in Kraft, um angesichts des US-Totalembargos auf Öl die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu fördern. Wegen der total zerrütteten Wirtschaft des Landes und der herrschenden politischen Instabilität dürfte es allerdings schwer sein, ausländische Investoren zu interessieren. Begrenzte Unterstützung (gegen Bezahlung) könnte das Regime von Präsident Miguel Diaz-Canel am ehesten wohl von den Chinesen erwarten. Bisherigen Angaben zufolge hatten Erneuerbare einen Anteil von rund 6 Prozent an der Stromerzeugung.
Als Retourkutsche auf das Öl-Embargo verweigerte das kubanische Außenministerium
der US-Botschaft in Havanna die Einfuhr von Diesel für den Betrieb der hauseigenen
Stromerzeugungsanlage. Der US-Präsident Trump reagierte darauf im März mit einer
Äußerung, die als Invasionsdrohung verstanden werden durfte: Er könne mit dem
Land machen, was er wolle, sagte er vor Journalisten. Er glaube, dass er "die
Ehre haben werde", Kuba "in irgendeiner Form zu übernehmen oder zu
befreien".