März 2026 |
260303 |
ENERGIE-CHRONIK |
Der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) veröffentlichte am 20. März seinen Abschlußbericht zum Stromausfall, der am 28. April vorigen Jahres in Spanien und Portugal zwölf bis 16 Stunden lang die Versorgung mit Elektrizität unterbrochen hat (250402). Erwartungsgemäß enthält das Papier keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, obwohl sein Umfang mit 472 Seiten (PDF) noch erheblich größer ist als der des vorläufigen Berichts vom Oktober mit 264 Seiten (251008). Vereinfacht gesagt gelangen die Experten erneut zu dem Befund, dass "der schwerste Stromausfall im europäischen Stromnetz seit über 20 Jahren und der erste seiner Art überhaupt" sehr komplexe Ursachen gehabt habe, wobei der Mangel an Blindleistung eine wichtige Rolle spielte. Entsprechend vage sind ihre Ratschläge, was getan werden könne und müsse, um einer Wiederholung vorzubeugen.
Wie sich dem einleitenden "Summary" entnehmen lässt, wurde der Bericht von einem technischen Expertengremium aus 49 Mitgliedern erstellt. Darunter befanden sich Vertreter von Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB), regionalen Koordinierungszentren (RCC) sowie der europäischen Regulierungsbehörde ACER und nationaler Regulierungsbehörden (NRA). Den Vorsitz übernahmen Experten von zwei nicht betroffenen ÜNB. Die Untersuchung komme zu dem Schluss, "dass der Stromausfall auf eine Kombination vieler miteinander wechselwirkender Faktoren zurückzuführen war, darunter Schwingungen, Lücken in der Spannungs- und Blindleistungsregelung, Unterschiede in den Praktiken der Spannungsregelung, rasche Leistungsreduzierungen und Generatorabschaltungen in Spanien sowie ungleiche Stabilisierungsfähigkeiten". Diese Faktoren hätten zu einem raschen Anstieg der Spannung und zu kaskadierenden Generatorabschaltungen in Spanien geführt, was den Stromausfall auf dem spanischen Festland und in Portugal zur Folge hatte.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse gibt das Expertengremium Empfehlungen heraus, die auf jeden der im Bericht identifizierten Faktoren eingehen, um ähnliche Ereignisse in Zukunft zu verhindern. Dazu gehören verstärkte Betriebspraktiken, eine verbesserte Überwachung des Systemverhaltens sowie eine engere Koordination und ein intensiverer Datenaustausch zwischen den Akteuren des Stromnetzes. Die Ergebnisse der Untersuchung würden zudem die Notwendigkeit unterstreichen, "die regulatorischen Rahmenbedingungen anzupassen, um der sich wandelnden Natur des Stromnetzes Rechnung zu tragen".
Der Stromausfall vom 28. April sei "ein Ereignis, das in dieser Form bisher einmalig war". Er verdeutliche, wie Entwicklungen auf lokaler Ebene systemweite Auswirkungen haben können. Er unterstreiche die Bedeutung einer engen Verknüpfung zwischen lokalem und europäischem Systemverhalten und die Notwendigkeit einer Koordination, wobei sichergestellt werden müsse, "dass Marktmechanismen, regulatorische Rahmenbedingungen und Energiepolitik weiterhin mit den physikalischen Grenzen des Systems im Einklang stehen".