Februar 2026 |
260208 |
ENERGIE-CHRONIK |
Die Bundesregierung übernimmt 25,1 Prozent der Anteile an der TenneT TSO GmbH, die mit einer Trassenlänge von mehr als 14.000 Kilometer das größte der vier deutschen Stromübertragungsnetze betreibt. Wie die niederländische TenneT Holding am 3. Februar mitteilte, hat sie mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Der Verkaufspreis betrage rund 3,3 Milliarden Euro.
Die in Bayreuth ansässige TenneT TSO betreibt seit 2010 das von den Alpen bis zur Nordsee reichende Stromtransportnetz der einstigen Verbundunternehmen PreussenElektra und Bayernwerk, die zehn Jahre zuvor im neuen E.ON-Konzern aufgegangen waren (091101). Sie ist bisher noch eine hundertprozentige Tochter des staatlichen niederländischen Netzbetreibers TenneT, der seinerzeit das komplette EON-Höchstspannungsnetz für lediglich rund eine Milliarde Euro erwerben konnte. Allerdings gibt es seit September vorigen Jahres eine Vereinbarung mit drei Staatsfonds aus Norwegen (NBIM) und Singapur (GIC) sowie einem niederländischen Pensionsfonds (APG), wonach diese bei der deutschen Tennet-Tochter einsteigen und entsprechende Geschäftsanteile erhalten sollen.
Diese drei Fonds wollen ab Mitte 2026 im Rahmen von Kapitalerhöhungen insgesamt 9,5 Milliarden Euro einbringen, wobei die Erhöhung ihrer Eigentumsanteile schrittweise erfolgt. Die TenneT Holding hat angekündigt, mindestens 28,9 Prozent an der deutschen Tochter behalten zu wollen. Am Ende würden so die drei genannten Staatsfonds zusammen 46 Prozent der Gesellschaftsanteile besitzen, während die Regierungen in Den Haag und Berlin jeweils über eine Sperrminorität und zusammen über eine Mehrheit von 54 Prozent verfügen. "Damit behält TenneT Holding die uneingeschränkte Mitwirkung an allen wichtigen Entscheidungen", hieß es in der Mitteilung des Konzerns.
Trotz oder gerade wegen des überaus günstigen Kaufpreises hatte sich der staatliche niederländische Netzbetreiber mit dem Erwerb des E.ON-Übertragungsnetzes von Anfang an übernommen. Vor drei Jahren bot er deshalb der deutschen Regierung die komplette Übernahme der Tennet TSO zu einem Preis an, der rund zwanzigmal höher war als der Preis, den er einst selber bezahlt hatte. Der größte Teil davon waren allerdings 16 Milliarden Euro Schulden, weshalb der Nettoerlös der Niederlande nur bei etwa vier Milliarden gelegen hätte (240501). Schon damals sollte der Kauf über die bundeseigene KfW abgewickelt werden. Der Bundeshaushalt wäre deshalb nur mit den laufenden Finanzierungskosten belastet worden wäre. Die Verhandlungen mit der niederländischen Regierung scheiterten jedoch im Juni 2024 am Widerstand der FDP (240602).
Der nun vereinbarte Preis von 3,3 Milliarden Euro für ein Viertel des Gesellschaftskapitals wirkt nur auf den ersten Blick günstiger als die 20 Milliarden, welche die Niederlande für sämtliche Anteile haben wollten. Laut "Handelsblatt" (3.2.) dürften künftig noch zusätzliche Ausgaben hinzukommen, weil die Bundesregierung ihren 25,1-Prozent-Anteil auch bei den vorgesehenen schrittweisen Kapitalerhöhungen halten will: Im Bundeshaushalt seien für die Jahre bis 2035 rund 1,7 Milliarden Euro für die Tennet-Transaktion eingeplant und für die Folgejahre weitere 5,7 Milliarden Euro.
Laut Bundeswirtschaftsministerium müssen "nun noch regulatorische Genehmigungen eingeholt werden, um den Erwerb der KfW-Anteile an TenneT Germany vollziehen zu können". Mit diesem Schritt werde derzeit spätestens im dritten Quartal 2026 gerechnet. Neben den bereits bestehenden Beteiligungen des Bundes über die KfW an 50Hertz (20Prozent) und TransnetBW (24,95 Prozent) wäre der Bund dann an drei der vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber beteiligt.
Da das niederländische und das deutsche Übertragungsnetz im Emsland aneinander
grenzen, pflegte sich der TenneT-Konzern seit dem Erwerb des E.ON-Höchstspannungsnetzes
als "ersten grenzüberschreitenden Übertragungsnetzbetreiber für Strom in
Europa" zu bezeichnen (111104). Inzwischen
will er deutlicher machen, dass es sich zumindest kapitalmäßig und organisatorisch
um zwei verschiedene Unternehmen handelt. Seit Anfang 2025 verwendet die deutsche
Tochter deshalb die Namen "TenneT Germany" oder "TenneT Deutschland"
als neue Selbstbezeichnung. An der amtlichen Eintragung als Tennet TSO GmbH
im Handelsregister beim Amtsgericht Bayreuth hat sich allerdings nichts geändert.
Es gab auch keine offizielle Ankündigung dieser Namensänderung, die laut Wikipedia
lediglich für den "Außenauftritt" gedacht ist. Im Markenschutzregister
ist ebenfalls kein entsprechender Eintrag zu finden.