Februar 2026

260201

ENERGIE-CHRONIK



Die Füllstände der deutschen Gasspeicher lag von Januar 2025 bis Ende Februar 2026 deutlich unter denen im selben Zeitraum des Vorjahres. Der Grund dafür war die am 6. Mai 2025 in Kraft getretenen "Gasfüllstandsverordnung", welche die alten Vorgaben des am 30. April 2022 in Kraft getretenen "Gasspeichergesetzes" absenkte.

Speicher nur noch zu einem Fünftel gefüllt – ist eine "strategische Gasreserve" erforderlich?

Der Füllstand der deutschen Gasspeicher betrug Ende Februar nur noch rund 20 Prozent des gesamten Fassungsvermögens. Das war deutlich weniger als die etwa 30 Prozent zu Beginn des Ukraine-Krieges. Verständlicherweise gibt es deshalb nun Bedenken, ob es richtig war, die rechtzeitige Befüllung der Gasspeicher wieder weitgehend den Akteuren der Gaswirtschaft zu überlassen. Aus Branchenkreisen kommen Vorschläge zur Einführung einer "strategischen Gasreserve", die auch von der Bundesnetzagentur unterstützt werden.

Flüssigggas kommt zwar zu 96 Prozent aus USA, macht aber nur 10 Prozent der Gasmporte aus

Die meisten Menschen bewegt angesichts des aktuell niedrigen Füllstands die Sorge, dass sich eine Krisensituation wiederholen konnte, wie sie 2022 infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine entstanden ist. Beispielsweise wird dem amtierenden US-Präsidenten Trump durchaus zugetraut, dass er die inzwischen zu 96 Prozent aus den USA stammenden deutschen Flüssiggas-Importe genauso willkürlich stoppen könnte wie dies der Kreml-Herrscher Putin im Sommer 2022 getan hat, als die Gazprom alle vertraglich vereinbarten Belieferungen über die Pipelines einstellte. Einer solchen Befürchtung widerspricht nicht unbedingt, dass der unberechenbare Autokrat im Weißen Haus derart massiven Druck bisher nur ausübte, um Deutschland zu mehr LNG-Importen aus den USA zu nötigen (200702). Die Besorgnis ist allerdings insofern stark übertrieben, als Flüssigggas insgesamt noch immer nur einen geringen Anteil am deutschen Gasimport hat. Außerdem verfügt Trump trotz seiner bislang fast ungebremsten Willkürherrschaft noch lange nicht über die diktatorische Gewalt des Kreml-Herrschers und hat auch keineswegs einen derart direkten Zugriff auf die US-Gasexporteure wie Putin bei der Gazprom.

Inzwischen liefern Norwegen, Niederlande und Belgien 85 Prozent der Gasimporte

Wie die Bundesnetzagentur im Januar aufgrund der vorläufigen Zahlen mitteilte, betrugen 2025 die deutschen Gasimporte 1.031 TWh (2024: 864 TWh). Die größten Lieferanten waren Norwegen (44 Prozent), die Niederlande (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent). Über die deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran wurden 106 TWh Erdgas importiert, was 10,3 Prozent an den gesamten Importen entsprach.

Unter diesen Umständen ist eine staatlich angeordnete Befüllung der deutschen Gasspeicher nicht mehr notwendig, wie sie 2022 eingeführt wurde, weil sie beim russischen Überfall auf die Ukraine ungewöhnlich leer waren. Dieser niedrige Füllstand lag hauptsächlich daran, dass Putin den Krieg gegen die Ukraine sehr langfristig geplant hatte und die Gazprom deshalb schon ab 2021 die ihr gehörenden Speicherkapazitäten nicht mehr in der üblichen Weise aufgefüllt hatte, um das russische Erpressungspotential zu erhöhen. Die Leere in den Gazprom-Speichern war auch kein Geheimnis, wurde aber mit angeblichen "technischen Schwierigkeiten" erklärt. Die kühnste Verdächtigung war, dass die Gazprom damit politischen Druck ausüben wolle, um die Vollendung des von Trump zeitweilig gestoppten Projekts Nord Stream 2 voranzutreiben (210804).

Das "Gasspeichergesetz" schrieb für drei Termine im Jahr eine Mindestbefüllung zwischen 40 und 90 Prozent vor

Die Füllstandsvorgaben, die das am 30. April 2022 in Kraft getreten "Gasspeichergesetz" (220504) enthielt, schrieben drei Termine im Jahr vor, an denen die deutschen Gasspeicher zu einem bestimmten Prozentsatz gefüllt sein mussten: Am 1. Oktober zu 80 %, am 1. November zu 90 % und am 1. Februar zu 40 %. Verantwortlich dafür waren zunächst die Marktakteure. Wenn sie jedoch die Speicher nicht entsprechend füllten, verloren sie den Anspruch auf die ungenutzten Kapazitäten. An ihre Stelle trat dann die "Trading Hub Europe GmbH" (THE) als Verantwortliche für das gesamte deutsche Gas-Marktgebiet und füllte die Speicher im Auftrag der Bundesregierung. Die Kosten für den Gaseinkauf und andere Dienste der THE wurden über die "Gasspeicherumlage" auf die Verbraucher umgelegt.

Die "Gasfüllstandsverordnung" begnügt sich mit zwei Terminen und einem maximalen Füllstand von 70 Prozent

Nachdem sich die Lage auf dem Gasmarkt wieder entspannt hatte, schwächte die am 6. Mai 2025 in Kraft getretene "Gasfüllstandsverordnung" diese alten Vorgaben ab, indem sie nur noch zum 1. November und zum 1. Februar jeweils zwei unterschiedliche Prozentsätze vorschreibt, die betriebliche Besonderheiten der Speicher berücksichtigen. Insgesamt wurde der dadurch vorgeschriebene Füllstand geringer und sank auf maximal 70 Prozent. Die auf der Grafik zu sehende rote Füllstandskurve von Januar 2025 bis Februar 2026 hält diese Vorgaben ein.

Die Gasfüllstandsverordnung läuft erst Ende März 2027 aus. Die Bundesregierung geht aber davon aus, dass eine Zwangsbefüllung durch THE nicht mehr notwendig sein wird. Sie hat deshalb die Gasspeicherumlage mit Beginn des Jahres 2026 für alle Endkunden abgeschafft (251108). Die offenen Rechnungen der THE in Höhe von 3,063 Milliarden Euro, die noch nicht aus der Umlage bezahlt wurden, beglich sie mit einem tiefen Griff in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Allerdings "vergaß" sie dabei die Umsatzsteuer von 582 Millionen Euro, deren Bezahlung sie der THE vertraglich zugesichert hatte. Sie will sich deshalb auf Artikel 111 des Grundgesetzes berufen, um diese zusätzliche Ausgabe ohne Zustimmung des Parlaments selber beschließen zu können (260112).

Betreiber von Gasspeichern bangen um Auslastung und Rentabilität ihrer Kapazitäten

Die aufgrund der Gasfüllstandsverordnung gesunkenen Füllstände scheinen aber trotz Einhaltung der beiden Zielvorgaben für 1. November und 1. Februar niedriger zu sein, als erwartet worden war. Deshalb sind die Betreiber der Gasspeicher nun besorgt, weil sie um die Auslastung ihrer Kapazitäten bangen.

So erklärte der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (INES), in der sich die Betreiber der Gasspeicher zusammengeschlossen haben, gegenüber dem Handelsblatt (16.2.): "Allen Beteiligten ist klar, dass die anstehende Befüllung der Gasspeicher im Sommer nicht nur vor dem Hintergrund der erwartbar niedrigen Füllstände, sondern auch im aktuell bestehenden System eine große Herausforderung sein wird." Die Branche wünsche sich schnelle Entscheidungen.

Der Uniper-Chef Michael Lewis sagte demselben Blatt, die zentrale Herausforderung bestehe darin, den während der Energiekrise 2022 eingeführten Regulierungsrahmen für Gasspeicher so anzupassen, dass er für die heutigen Marktbedingungen geeignet sei. "Dabei geht es um die Frage, welches Maß an Versorgungssicherheit Gesellschaft und Industrie benötigen, welche Speicherkapazitäten dafür erforderlich sind und wie künftig angemessene Füllstände sichergestellt werden können." Auch das klang noch ziemlich vage. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Uniper aber bei der Bundesnetzagentur beantragt, die Stilllegung des drittgrößten Gasspeichers Deutschlands im bayerischen Breitbrunn zu genehmigen. Es ist also offenbar die geringere Auslastung und Rendite der Speicher, wo die Betreiber der Schuh drückt.

Chef der Bundesnetzagentur begrüßt Diskussion über strategische Gasreserve, "weil wir auch disruptive Ereignisse absichern sollten"

Dieses Problem ließe sich allerdings mit einer Lösung verbinden, welche die Nöte der Speicherbetreiber mit den bereits erwähnten Ängsten vor einer erneuten Erpressbarkeit Deutschlands im Krisenfall verbindet. So hat der Chef des niedersächsischen L-Gas-Förderers und Speicherbetreibers EWE, Stefan Dohler, im Januar die Einrichtung einer "strategischen Gasreserve" vorgeschlagen. Es sei an der Zeit, darüber zu sprechen, welche Instrumente auch in einem Krisenfall für ausreichende Versorgungssicherheit sorgen könnten. "Der Staat könnte beispielsweise überlegen, eine strategische Gasreserve für Deutschland anzulegen, die gleichzeitig die Marktintegrität aufrechterhält", meinte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Es gibt andere Länder wie Österreich, Frankreich und Polen, die das aus gutem Grund tun." Die heutigen Instrumente würden aus seiner Sicht nicht dafür sorgen, dass der Markt allein eine ausreichende Vorsorge für eine kritische Situation bietet, "wenn mal eine Leitung ausfällt oder LNG-Terminals mehrfach nicht funktionieren würden".

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sprach sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (30.1.) ebenfalls für eine "strategische Gasreserve" aus. In Deutschland sorgten zwar Händler und Gasversorger für eine ausreichende Versorgung von Industrie und Haushalten, sagte er. Aber es könne eben auch "externe Schocks geben". Um darauf schnell genug reagieren zu können, brauche es eine Absicherung. Bisher seien das die Füllstandsvorgaben gewesen. Diese hätten sich aber als ein eher sperriges Instrument erwiesen, was den Markt verzerre.

"Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage", sagte Müller in einem weiteren Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters (2.2.). Er rechne jedoch mit steigenden Preisen und einem sehr niedrigen Speicherstand am Ende des Winters. Gründe dafür seien der Ausbau der LNG-Infrastruktur für Flüssigerdgas und neue Gasflüsse. Seine Behörde begrüße daher die Diskussion über eine strategische Gasreserve, "weil wir auch disruptive Ereignisse absichern sollten".

 

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