Januar 2026

260111

ENERGIE-CHRONIK


Badenova und Naturenergie einigen sich im Streit um das Stromnetz von Weil am Rhein

Die Netzgesellschaften des in Freiburg ansässigen Regionalversorgers Badenova und der EnBW-Tochter Naturenergie haben ihren jahrelangen Streit um die Konzession für das Stromnetz der Stadt Weil am Rhein beigelegt. Die Lösung sieht so aus, dass die Naturenergie an der Stromnetzgesellschaft Weil am Rhein beteiligt wird, deren Berechtigung zur Übernahme des Netzbetriebs sie bisher bestritten hatte. Bisher hat diese Gesellschaft zu 51 Prozent den Stadtwerken und zu 49 Prozent der Badenova gehört. Künftig wird sich die Stadt mit 40 Prozent begnügen, während auf die beiden Netzbetreiber jeweils 30 Prozent entfallen.

Außer der Beteiligung bekommt Naturenergie einen Pachtvertrag über drei Jahre

Außerdem wird das Netz ab 1. Januar 2026 für drei Jahre zunächst mal an die Naturenergie verpachtet. Anschließend wird der Pachtverhältnis bis zum Ablauf der Konzessionsdauer im Jahr 2045 auf die Badenova übergehen. Die Naturenergie wird aber Gesellschafter bleiben und sich an der Finanzierung der Netzkosten beteiligen.

Stadtwerke übernahmen zunächst formal den Stromnetzbetrieb

Der Streit begann damit, dass die Stadt den 2018 ausgelaufenen Konzessionsvertrag für die EnBW-Tochter nicht verlängerte, sondern den Netzbetrieb selber übernehmen wollte. Tatsächlich teilten die Stadtwerke dann mit, dass sie als Eigenbetrieb der Stadt ab 15. Juli 2021 nun auch den "Stromnetzbetrieb" aufgenommen hätten, dieses Geschäft künftig aber mit einem "Kooperationspartner" betreiben wollten und dafür ein "europaweites Vergabeverfahren" gestartet hätten. Dieser Kooperationspartner war dann – nicht ganz überraschend – die Badenova, die sich als Minderheitsgesellschafter an der neugegründeten Stromnetzgesellschaft Weil am Rhein GmbH & Co. KG beteiligte, die dreieinhalb Monate später ins Handelsregister eingetragen wurde.

Naturenergie wollte auch die neue Stromnetzgesellschaft nicht akzeptieren

Die EnBW-Tochter wollte indessen die Konzession noch immer nicht abgeben. Daran änderte sich auch nichts, als der Gemeinderat der Stadt im Juli vorigen Jahres einstimmig die Vergabe der Konzession an die neue Stromnetzgesellschaft der Stadt beschloss. Stattdessen verlangte sie Akteneinsicht, um weiter zu prozessieren. Mit dieser Unnachgiebigkeit hatte sie nun auch offenbar Erfolg. "Im Konsens ist der tatsächliche Zugriff auf das Netz schneller und kostengünstiger zu erreichen als über jahrelange und in ihrem Ausgang unsichere Gerichtsverfahren“, meinte dazu die Oberbürgermeisterin Diana Stöcker.

Konflikt mit zehn südbadischen Gemeinden geht weiter

Noch immer ungelöst ist dagegen der Konflikt zwischen der EnBW-Tochter und zehn südbadischen Gemeinden, die ihre ausgelaufenen Konzessionen gemeinsam neu ausgeschrieben haben und ebenfalls der Badenova übertragen wollen. Hier weigert sich die Naturenergie weiterhin, den Netzbetrieb abzugeben, obwohl sie in der gerichtlichen Auseinandersetzung bisher unterlegen ist (250305). Über fünfzig Bürgermeister hatten deshalb vor einem Jahr an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann appelliert, den Einfluss des Landes als Großaktionär der EnBW geltend zu machen, damit deren Tochterunternehmen die Stromnetze doch noch freiwillig abgibt. Kretschmann hatte dies aber mit der Begründung abgelehnt, dass er sich nicht in das operative Geschäft der EnBW einmischen wolle. Die Naturenergie verteidigte ihre Halsstarrigkeit damit, dass noch kein letztinstanzliches Urteil vorliege.

 

Links (intern)