April 2012

120408

ENERGIE-CHRONIK


Telekom bietet Stadtwerken die Errichtung von "virtuellen Kraftwerken" an

Die Deutsche Telekom AG bietet Energieversorgern die Errichtung und Wartung von kleinen Blockheizkraftwerken (BHKW) an, deren Netzeinspeisung zu einem "virtuellen Kraftwerk" gebündelt werden kann. Wie sie am 11. April mitteilte, kooperiert sie zu diesem Zweck mit der Motoren-AT, einem Hersteller von Mini-Blockheizkraftwerken, und der Softwarefirma Greencom Networks. Die BHKW gibt es mit einer elektrischen Leistung von 1,8 Kilowatt bis 1,2 Megawatt. Die erzeugte Abwärme reicht aus, um den Wärmebedarf kleiner Häuser oder auch ganzer Gebäudekomplexe zu decken. Entsprechend dimensionierte Wärmespeicher ermöglichen es, die einzelnen Anlagen stromgeführt zu betreiben und per Fernsteuerung zu einem "virtuellen Kraftwerk" zusammenzufassen.

Die Telekom betätigt sich damit erneut auf dem Energiesektor, nachdem sie schon 2010 das "Smart Metering" als Dienstleistung entdeckt hat (100810). Sie kopiert zugleich ein Geschäftsmodell, das bereits der Ökostrom-Anbieter "Lichtblick" (090902) und der RWE-Konzern (111108) praktizieren. Im Unterschied zu den beiden Konkurrenten wendet sie sich aber nicht direkt an Gebäudeeigentümer. Sie empfiehlt sich vielmehr als Dienstleister für Energieversorger, die an der Bündelung von kleinen BHKW zu "virtuellen Kraftwerken" interessiert sind, um sie für den eigenen Stromvertrieb und für das Lastmanagement in ihren Verteilnetzen einzusetzen.

Das neue Angebot richtet sich somit vor allem an Stadtwerke. Es besteht aus Einbau und Wartung des BHKW, der Fernsteuerung für den Energieversorger sowie einem Webportal für den Immobilienbesitzer. Die Anlagen würden je nach Vertragsgestaltung den Stadtwerken oder privaten Gebäudeeigentümern gehören. Die Fernsteuerung erfolgt per DSL oder Mobilfunk.

Der Lieferant Motoren-AT ist ein mittelständisches Unternehmen in Bayern. Er produziert kleine Blockheizkraftwerke, die er über die Tochter VKW Kraftwerk GmbH vermarktet. Das Angebot der Telekom dürfte vor allem auf BHKW mit einer elektrischen Leistung bis 20 Kilowatt zielen, für die es neuerdings wieder Investitionszuschüsse gibt (siehe unten). Die Softwarefirma Greencom Networks liefert die speziellen Programme für Steuerung und Meßtechnik.

"Lichtblick" konnte bisher 420 "Zuhause-Kraftwerke" in Betrieb nehmen

Bereits im September 2009 präsentierte der Ökostrom-Anbieter "Lichtblick" sein "Zuhause-Kraftwerk", bei dem die Wärmeabgabe über einen Speicher erfolgt, so daß es stromgeführt betrieben und mit anderen Anlagen zu einem "Schwarmstrom"-Kraftwerk gebündelt werden kann (090902). Mit einer elektrischen Leistung von 20 kW und einer Wärmeleistung von 34 kW ist das "Zuhause-Kraftwerk" für größere Wohneinheiten gedacht. Wie das Unternehmen am 6. März mitteilte, gibt es inzwischen 420 solcher Anlagen in Norddeutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Man verfolge weiterhin das Ziel, insgesamt 100.000 solcher BHKW zu installieren. Da seit der Markteinführung rund dreißig Monate vergangen sind, würde es allerdings beim jetzigen Tempo noch rund 600 Jahre dauern, bis dieses Ziel erreicht ist...

Im November 2011 stellte auch RWE ein kleines Blockheizkraftwerk vor, das einzelne Gebäude mit Wärme versorgt und per Fernsteuerung als Teil eines "virtuellen Kraftwerks" stromgeführt betrieben werden kann. Um das Lastmanagement noch effektiver zu machen, hat RWE die Anlage mit einem "Ökoheizstab" ausgestattet, der Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien in Wärme verwandelt (111108).

Ebenfalls auf private Keller als Standorte und häuslichen Wärmebedarf spekulieren etliche andere Angebote für gasbetriebene Mini-BHKW, die aber wärmegeführt betrieben werden. Beispielsweise bieten Vaillant und Honda ein solches "Mikro-Heizkaftwerk" mit einer Leistung von 1 kW elektrisch und 2,5 kW thermisch an. Der erzeugte Strom ist dabei das Nebenprodukt. Er wird ins Netz eingespeist und vergütet, soweit er nicht selber verbraucht werden kann und deshalb nach 9 Abs. 1 des Stromsteuergesetzes von der Steuer befreit ist (110212).

Für Mini-BHKW gibt es wieder einen Investitionszuschuß von maximal 3500 Euro

Im Rahmen der "nationalen Klimaschutzinitiative" fördert das Bundesumweltministerium wieder KWK-Anlagen mit einer elektrischen Leistung bis 20 Kilowatt. Wie das Ministerium am 2. April mitteilte, können entsprechende Anträge ab sofort beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Der einmalige Investitionszuschuß ist nach der Leistung gestaffelt und beträgt maximal 3500 Euro.

Das 2008 gestartete "Impulsprogramm" für kleine KWK-Anlagen war im Mai 2010 rückwirkend zum 1. August 2009 gestoppt worden, weil der Haushaltsausschuß des Bundestags die Fördermittel rigoros zusammenstrich und weitere Ausgaben mit einer Sperre belegte. Neben dem Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Wärmemarkt waren davon auch die Förderung von Mini-BHKW und andere Programme der "Nationalen Klimaschutzinitiative" betroffen (100503).

Anträge auf Steuerentlastung für BHKW können vorläufig nicht mehr bearbeitet werden

Steuerentlastungsanträge für BHKW gemäß § 53 Energiesteuergesetz können dagegen seit 1. April vorläufig nicht mehr bearbeitet werden. Die Regelung gilt als staatliche Beihilfe und war von der EU-Kommission bis 31. März 2012 befristet worden. Die vom Bundesfinanzministerium im Oktober 2011 beantragte Verlängerung wurde bisher in Brüssel noch nicht genehmigt. Nach § 53 können Betreiber von Blockheizkraftwerken eine Steuerentlastung für die Brennstoffe Gas und Öl beantragen, wenn das betreffende BHKW einen Jahresnutzungsgrad von 70 Prozent erreicht. Das ist vor allem bei BHKW im untersten Leistungsbereich der Fall.

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