Juli 2011

110705

ENERGIE-CHRONIK


 

Die Stromkreislängen der vier Transportnetzbetreiber in Deutschland

Transportnetzbetreiber
Stromkreislänge
Umspannwerke Netzgebiet in km2 Mitarbeiter
insgesamt 380 kV* 220 kV*
Amprion GmbH (bis 31.8.2009 RWE Transportnetz GmbH) 11000 5300 5700 180 73100 850

Tennet TSO GmbH (bis 4.10.2010 Transpower Stromübertragungs Gmbh; bis 3.5.2009 E.ON Netz GmbH)

10700 5800 4900 115 140000 700
50Hertz Transmission GmbH (bis 31.12.2009 Vattenfall Europe Transmission GmbH) 9740 6870 2870 54 109000 516
EnBW Transportnetze AG 3644 1970 1674 56 34600 100

* Die Betriebsspannungen können bis zu 420 kV bzw. 240 kV betragen

RWE verkauft seinen Strom-Transportnetzbetreiber Amprion

Nach E.ON (091101) und Vattenfall (100307) verkauft nun auch RWE seinen Strom-Transportnetzbetreiber. Wie der Konzern am 14. Juli mitteilte, gehört die Amprion GmbH künftig zu 74,9 Prozent einem Konsortium aus Versicherungswirtschaft und Versorgungswerken unter Führung der Commerzbank. RWE bleibe lediglich mit 25,1 Prozent an Amprion beteiligt. Mit dem Abschluß der Transaktion sei im dritten Quartal zu rechnen.

Mitglieder des Konsortiums sind Gesellschaften der Munich Re- und Ergo-Gruppe, Swiss Life, Talanx sowie ärztliche Versorgungswerke aus Westfalen-Lippe und Brandenburg. Die Führung des Konsortiums übernimmt eine Fondsgesellschaft der Commerzbank-Tochter Commerz Real.

Die 74,9 Prozent an Amprion sind allerdings noch nicht komplett verkauft. Deshalb zählt vorläufig auch noch RWE mit einer zusätzlichen Beteiligung von durchgerechnet 10,8 Prozent an Amprion zu den Mitgliedern des Konsortiums. Eine weitere Beteiligung von durchgerechnet 13 Prozent übernimmt vorläufig die Commerz Real. Beide Beteiligungen sollen kurzfristig an weitere Investoren veräußert werden.

Zum Verkaufspreis verlautbarte RWE lediglich, daß als "Basis" ein Gesamtunternehmenswert von rund 1,3 Milliarden Euro zugrunde gelegt worden sei. Die Commerzbank sprach in ihrer Mitteilung konkret von "rund 700 Millionen Euro".

Der RWE-Konzern bezeichnete den Verkauf von Amprion als weiteren Schritt in seinem insgesamt acht Milliarden Euro umfassenden "Desinvestitionsprogramm". Er reduziere damit nicht nur seine Nettoverschuldung, sondern erspare sich in den kommenden zehn Jahren Netzinvestitionen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro. Die Commerzbank verwies dagegen auf die "stabilen Zahlungsflüsse aus Infrastrukturnetzen", die nunmehr institutionellen Investoren zugute kämen.

EnBW will zumindest die Mehrheit an ihrem Transportnetz behalten

Lediglich die Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat bisher weder den Namen ihres Transportnetzbetreibers geändert noch öffentlich Verkaufsüberlegungen angestellt. Im Gegenteil: EnBW-Chef Hans-Peter Villis machte bereits beim Verkauf des E.ON-Transportnetzes deutlich, daß sein Konzern eine andere Netzstrategie verfolgt (080305). Das scheint sich nun aber zu ändern, nachdem die rot-grüne Landesregierung bei dem Konzern das Sagen hat (101201) und auch im Aufsichtsrat für die entsprechende Besetzung sorgte (110615). Bereits im Mai schlug der neue Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in einem Zeitungsinterview vor, das Transportnetz der EnBW zu verkaufen, um den Erlös in erneuerbare Energien zu investieren. Das sei auch dem Wettbewerb förderlich. "Das Management der gesamten Wertschöpfungskette ist ein erfolgreiches Geschäftsmodell, das werden wir nicht grundlos aufgeben", erklärte daraufhin ein EnBW-Sprecher. Außerdem stellte er klar, daß die Transportnetze seit ihrer Entflechtung kein Wettbewerbsfaktor mehr sind, sondern allen Wettbewerbern offenstehen. Kompromißbereiter zeigte sich dagegen der EnBW-Chef Villis, der Anfang Juli vor Journalisten in Berlin neue Partner und Kooperationen im Netzbereich nicht ausschloß. Villis machte aber zur Bedingung, daß die EnBW die Mehrheit am Transportnetz behalte.

Netztochter steigt in Handel mit Derivaten ein

Neben dem Stromtransport widmet sich die EnBW Transportnetze AG zunehmend dem Handel mit Energie. Wie sie am 11. Juli mitteilte, steigt sie nun auch in den Handel mit Derivaten am Terminmarkt der Strombörse EEX ein. Bisher sei "die langfristige Beschaffung der Netzverluste" ausschließlich im Rahmen von Ausschreibungsverfahren erfolgt. Nun werde sie als erster der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber "diese Energiemengen vorrangig über den Terminmarkt" beschaffen. Offenbar geht es aber nicht um physische Lieferungen von Ausgleichsenergie für Netzverluste, die gemäß 10 der Stromnetzzugangsverordnung sowieso per Ausschreibung zu beschaffen sind, sondern um reine Finanzgeschäfte. Möglicherweise will die EnBW dem E.ON-Konzern nacheifern, der zeitweilig mit dem Handel von Derivaten an der Börse mehr verdient haben soll als in seinem Kerngeschäft (101003).

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