September 2009

090906

ENERGIE-CHRONIK


Regierung, Industrie und Energiewirtschaft forcieren die Entwicklung von Elektroautos

Im Rahmen des "nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität", den das Bundeskabinett am 19. August beschloß, forcieren Industrie und Energiewirtschaft jetzt ihre Bemühungen um die Markteinführung von batteriebetriebenen Fahrzeugen in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 sollen auf deutschen Straßen eine Million Elektrofahrzeuge fahren. Voraussetzung ist allerdings, daß Reichweiten und Ladezeiten der Fahrzeuge erheblich verbessert und die Batteriekosten gesenkt werden können. In ihrem Konjunkturpaket II hat die Bundesregierung dafür Mittel in Höhe von 500 Millionen Euro bereitgestellt (090310). Zum Beispiel unterstützt sie mit 60 Millionen Euro die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterie, die derzeit von allen Batterie-Typen der wichtigste Hoffnungsträger ist.

Der "nationale Entwicklungsplan Elektromobilität" bezieht sich nur auf solche Elektroautos, deren Batterien am Stromnetz aufgeladen werden (siehe ‹bersicht). Die Entwicklung von Elektroautos mit Brennstoffzellen – die nicht minder wichtig und möglicherweise sogar erfolgsträchtiger ist – wird bereits durch das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) gefördert, das die Regierung Anfang 2008 beschloß. Die Förderung beider Arten von "Elektromobilität" gehört als Kapitel 26 zu den Eckpunkten des Klima- und Energiepakets, die das Kabinett im August 2007 veröffentlichte (070806). Als aussichtsreichste Variante des Elektroautos gelten derzeit sogenannte Hybridfahrzeuge, die weiterhin einen Verbrennungsmotor als Haupt- oder Hilfsantrieb besitzen und dadurch die vorläufig fortbestehenden Probleme mit einer ausreichenden Stromversorgung besser zu kompensieren vermögen.

Deutschland soll "Leitmarkt für Elektromobilität" werden

Wie das Wasserstoff-Programm ist der "Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität" als zehnjährige Forschungs- und Wirtschaftsförderung angelegt. Zur Begründung verweist die Bundesregierung auf die erheblichen Anstrengungen, die bereits in den USA, China und Japan sowie in anderen Ländern auf diesem Sektor mit Hilfe des Staates unternommen würden. Deutschland müsse zum "Leitmarkt für Elektromobilität" werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer erhalten zu können. So wolle die US Regierung in den nächsten zehn Jahren 150 Milliarden Dollar in Energietechnologie investieren und mit weiteren zwei Milliarden Dollar die Entwicklung von Batterie-Technologien und Komponenten für Elektrofahrzeuge vorantreiben. China fördere mit ingesamt drei Milliarden Euro die Entwicklung von effizienteren Antrieben und die Durchführung von Pilotversuchen mit Elektrofahrzeugen. Japan unterstütze mit 200 Millionen US-Dollar die Entwicklung von Batterien, um deren Herstellungkosten bis 2010 zu halbieren.

Vorbereitet wurde die konzertierte Aktion auf einer Strategiekonferenz am 25. und 26. November 2008, zu der die Bundesregierung Vertreter der beteiligten Branchen und Forschungseinrichtungen einlud. Anfang Mai 2009 gründete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Initiative ELAN 2020 (für "Elektrofahrzeuge intelligent am Netz"). Weitere Beteiligte waren BASF, Daimler, EnBW, E.ON, Evonik, EWE, Li-Tec, MVV Energie, RWE, Siemens, Toyota, Vattenfall, VW und Renault. Im Juli 2009 kam es zu einer gemeinsamen Erklärung der drei wichtigsten Branchenverbände, in der sowohl der BDEW als auch der Verband der Automobilwirtschaft (VDA) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) den "Schulterschluß von Politik, Industrie und Energiewirtschaft" zum Vorantreiben des Elektroautos befürworteten.

Auf der 63. Internationalen Automobil-Ausstellung Ende September in Frankfurt standen neben den neuesten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor besonders die dort gezeigten Elektroautos im Brennpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Die präsentierten Modelle mit Batterie-, Brennstoffzellen- oder Hybridantrieb waren meistens noch Studien oder Prototypen, sollen aber zur Serienreife gebracht werden. In München findet vom 13. bis 15. Oktober die Ausstellung eCarTec 2009 statt, die sich als 1. Internationale Messe für Elektromobilität bezeichnet. Gezeigt werden Elektrofahrzeuge, Speichertechnologien sowie Antriebs- und Motorentechnik.

Fahrzeugtyp Akronym Anteil der Nutzung des Stromnetzes für die Batteriespeisung Gegenstand des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität" Typische Charakteristika
Elektrofahrzeug BEV (Battery Electric Vehicle) 100 % ja
  • Elektromotor mit am Netz aufladbarer Batterie
  • Personenkraftwagen, aber auch Zweiräder
  • Hohes Potenzial zur CO2-Reduktion durch Nutzung erneuerbarer Energien
  • Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerung REEV (Range Extended Electric Vehicle) teilweise, abhängig von Batteriereichweite und Nutzung ja
  • Elektromotor mit am Netz aufladbarer Batterie
  • Modifizierter Verbrennungsmotor kleiner Leistung oder Brennstoffzelle
  • Plug-In-Hybridfahrzeug PHEV (Plug-In Hybrid Electric Vehicle) teilweise, abhängig von Batteriereichweite und Nutzung ja
  • Elektromotor mit am Netz aufladbarer Batterie
  • Kombination mit klassischem Verbrennungsmotor und Elektromotor
  • PKW und auch Nutzfahrzeuge
  • Hybridfahrzeug HEV (Hybrid Electric Vehicle) Keine Netzanbindung nein, jedoch wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von PHEV und BEV
  • Klassischer Verbrennungsmotor plus Elektromotor
  • Ladung der Batterie durch Rückgewinnung der Bremsenergie
  • PKW und Nutzfahrzeuge
  • Brennstoffzellenfahrzeug FCHEV (Fuel Cell Hybrid Electric Vehicle) Keine Netzanbindung nein (Nutzung von Synergien über Austausch mit dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie)
  • Elektromotor mit Brennstoffzelle zur Energieversorgung
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