"Uns ist ganz kannibalisch well, als wie
fünfhundert Säuen!"
Na ja, ursprünglich hieß das ein
bißchen anders: "Uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie
fünfhundert Säuen!" schrieb Goethe in seinem "Faust". Aber
weshalb sollen nicht auch die lustigen Gesellen in Auerbachs Keller mit
der Zeit gehen? Weshalb sollen nicht mal zur Abwechslung die
vereinigten Chöre von Aldi, Lidl und Metro dort singen? Ihrer
Stimmgewalt, hinter der Milliarden Euro an Werbeausgaben stehen, kann
auf Dauer niemand widerstehen. Mephistopheles hätte seine
diabolische Freude daran. Garantiert würde er auch in der
Hölle sofort eine Wellness-Abteilung einrichten!
Weil wir schon mal bei diesem besonders
grauslichen Kapitel des Denglisch-Wahns sind, wollen wir uns auch noch
ansehen, was Aldi, Lidl, Metro & Co. so alles an "Outfit" zu bieten
haben. Zunächst mal ein Blick auf das, was man früher in
Deutschland als Herrenschuhe, Turnschuhe oder Leinenschuhe zu
bezeichnen pflegte:
Noch nichts passendes gefunden? - Macht nichts!
Aldi, Lidl, Metro & Co. haben ein Riesenangebot, das einem
förmlich die Schuhe auszieht! Zum Beispiel "Trekkingsandalen"
für Kinder (die früher allenfalls dreckige Sandalen hatten).
Das, was man früher als Wanderschuhe bezeichnet hätte, gibt
es auch nicht mehr. Das heißt jetzt "Trekkingschuhe". Und
anstelle von Stiefeln zieht man jetzt "Moonboots" an:
Überhaupt sind Aldi, Lidl, Metro & Co.
von Kopf bis Fuß auf Denglisch eingestellt. So gibt es Hemden nur
noch als "Shirts" oder mit einem schmückenden denglischen Zusatz
wie "City". Anstelle von Unterhosen trägt der Herr jetzt
"Retro-Shorts". Für die Damen gibt es nur noch "Slips" anstelle
von Schlüpfern, wobei sie auch noch wissen müssen, was einen
"Slip mit String" von einem "Slip mit Panty" unterscheidet:
Schöne neue Welt des denglisch
überzuckerten Konsums! – Schade, daß ausgerechnet die
englischsprachige Welt nicht daran teilhaben kann. Für die bleibt
ein Slip ein ganz banaler Schlüpfer. Und was ein "City-Hemd" oder
"Business-Schuhe" sein sollen, würde sie sowieso nicht verstehen.
World of Schwachsinn
Wahrlich furchterregend, was uns hier von
Heidelberger Plakatwänden entgegenspringt: Anscheinend wurde schon
vor hundert Millionen Jahren auf der ganzen Erde englisch gesprochen.
Einen Grund muß es jedenfalls haben, daß dieses Plakat The
World of Dinosaurier beschwört, obwohl es sich an deutsche
Passanten richtet. Mit unserem Erinnerungsvermögen an die
längst vergessene Zeit der Dinosaurier ist es auch nicht
sonderlich gut bestellt. Stutzig macht uns aber, wie die englische
Imponierfloskel The World of... mit dem deutschen Wort Dinosaurier
gepaart wird, als ob die Plakattexter sich nicht getraut hätten,
dem Publikum ganz auf englisch mit The World of Dinosaurs zu
kommen. So entstand ein grauenhafter denglischer Wort-Lindwurm, den es
selbst im Mesozoikum noch nicht gegeben haben dürfte.
Dem Redaktör ist nichts zu schwör
Bei diesem Artikel in der RNZ vom 1.3.07 wird man
das Wort "Message" im Text selber vergebens suchen. Dort ist nur von
"messerscharfer Rhetorik" die Rede. Beim Verfassen der Überschrift
scheint den Redakteur aber der Stabreim-Wahn überkommen zu haben,
gepaart mit einer akuten Immunschwäche gegenüber Denglisch.
Und so entstand die "Sanfte Stimme mit messerscharfer Message".
Bei dieser RNZ-Meldung vom 7.2.07 ist kaum anzunehmen, daß die
Protestantin Angela Merkel die Araber missionieren wollte. Ihre
"Mission" ist nicht im kirchlichen Sinne gemeint, sondern in der
weltlichen Bedeutung von "Sendung, Auftrag, Botschaft".
Somit scheint sprachlich alles in Ordnung zu sein.
Oder doch nicht?
Das Wort "Mission" hat gerade dann, wenn nicht die
religiöse Bekehrungsarbeit gemeint ist, im Deutschen und im
Englischen einen anderen Assoziationsgehalt und ergibt deshalb einen
unterschiedlichen Sinn: Im Englischen wird jeder politische oder
geschäftliche Auslandskontakt zur "mission", so banal die Sache
sein mag. Im Deutschen schwingt dagegen immer noch etwas von (innerer)
Sendung, (höherem) Auftrag und (froher) Botschaft mit. Bisher
jedenfalls.
Wir haben es deshalb mit einem weiteren Fall von
gedankenloser Übernahme eines englischen Wortes zu tun, das
scheinbar einem vorhandenen deutschen Fremdwort entspricht, in
Wirklichkeit aber dieses zu "Denglisch" deformiert.
"Der Ladenburger Fischpass macht einen guten Job"
So schrieb neulich die "Rhein-Neckar-Zeitung" zu
einem Bild, das die neue Fischtreppe an der Neckar-Staustufe Ladenburg
zeigte.
Auf deutsch war ungefähr folgendes gemeint:
"Die Ladenburger Fischtreppe bewährt sich." Oder: "Die Ladenburger
Fischtreppe erfüllt ihren Zweck." Aber das klänge
natürlich zu banal. Das denglische Wort "Fischpass" macht da schon
mal mehr her, klingt fachmännischer. Und wenn man dann diesen
Fischpaß noch einen guten Job machen läßt, hat man die
höchste Stufe des denglischen Neusprechs erreicht, zu der unsere
Medien fähig sind.
Die dümmliche Floskel "einen guten Job
machen" entstand wohl aus der stümperhaften Übersetzung der
englischen Redewendung "to do a good job", die korrekt mit "gute Arbeit
leisten" oder "ganze Arbeit leisten" zu übersetzen wäre.
Allerdings arbeitet eine Fischtreppe nicht, sondern liegt nur ruhig da.
Deshalb ist diese idomatische Wendung aus dem Englischen –
gleichgültig ob falsch oder richtig übersetzt – in jedem
Falle deplaziert.
Der "Fischpass" ist ebenfalls Denglisch. Das Wort
"Paß" (bzw. "Pass" in neuer Rechtschreibung) hat im Deutschen nur
die Bedeutung von Gebirgsübergang oder Ausweispapier. Der
"Fischpass" hat weder mit dem einen noch dem anderen zu tun. Er ist
vielmehr eine Abwandlung des englischen Ausdrucks "fishpass". Der aber
bezeichnet nichts weiter als einen irgendwie gearteten Durchlaß
für Fische. Das präzise englische Wort für "Fischtreppe"
wäre "fishladder".
Auch sonst machen die Schreiber der
"Rhein-Neckar-Zeitung" oft keinen guten Job, wenn es um gutes Deutsch
geht, wie das folgende Beispiel zeigt:
Beim "Promi-Agenten" und "Chocolatier" haben wir
erst mal gezögert, sie als denglische Ausdrücke zu markieren:
Den "Agenten" ohne geheimdienstlichen Auftrag kennt immerhin auch noch
der Duden ("veraltet für Geschäftsvermittler, Vertreter"),
und das Wort "Chocolatier" für Schokoladenfabrikant ist zweifellos
französischen Ursprungs. Indessen handelt es sich hier nicht um
die angestaubten Fremdwörter aus dem 19. Jahrhundert, sondern um
täuschend ähnliche Wiedergänger aus dem Denglisch von
heute: In ihrer ursprünglichen Gestalt als
lateinisch-französische Fremdwörter sind der "Agent" und der
"Chocolatier" so gut wie verblichen. Sie feiern mittlerweile aber
fröhliche Urständ als Importe aus dem Englischen.
Ähnlich verhält es sich mit einer ganzen
Reihe von Ausdrücken, die unsere Großeltern noch als
französische Fremdwörter kannten, die aber nun in alt-neuer
Gestalt aus dem Englischen importiert werden. Zum Beispiel muß
man bei Modewörtern wie "Administration", "Applikation",
"Evaluation", "Excellence" oder "Entrepreneur" zwei- und dreimal
hinsehen, um sie als Wiedergänger aus dem Englischen zu erkennen.
Denn das Englische basiert nun mal zu einem guten Teil auf
französischem Vokabular. – Spötter behaupten deshalb sogar,
Englisch sei eigentlich nur "ein grauenhaft gesprochenes
Französisch".
Tickets statt Fahrscheine
Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH
(VVS) hat eine Reihe von "wichtigen Verbesserungen für 2007"
angekündigt. An erster Stelle findet man die folgende Neuerung: "Die
Fahrscheine und Fahrkarten heißen jetzt einheitlich Ticket."
Im einzelnen hat man die Wahl zwischen:
EinzelTicket,
4er-Ticket (Mehrfahrtenkarte),
EinzelTagesticket/GruppenTagesticket,
Schönes-Wochenende-Ticket und
Baden-Württemberg-Ticket/-Single,
WochenTicket,
MonatsTicket,
JahresTicket,
FirmenTicket (JahresTicket),
MonatsTicket für Schüler,Auszubildende, Studenten,
StudiTicket,
9-Uhr-UmweltTicket,
14-Uhr-JuniorTicket,
SeniorenTicket
Die "Verbesserung" besteht also darin, das
präzise Wort Fahrschein durch das englische Allerweltswort Ticket
zu ersetzen, das auf neudeutsch ebenso einen Parkschein, irgendeine
Eintrittskarte oder einen Strafzettel bedeuten kann. Zusätzlich
malträtiert der VVS die deutsche Sprache durch
Großbuchstaben innerhalb von Komposita, wo sie nichts verloren
haben, und erzeugt so 13 Monstrositäten, die Auge und
Sprachgefühl gleichermaßen beleidigen.
"Wir können alles außer Hochdeutsch" – in diesem Spruch der
offiziellen Werbung für das Land Baden-Württemberg steckt
leider ein furchtbares Stück Wahrheit. Vorsichtshalber fragen wir
deshalb die Verantwortlichen des VVS auf schwäbisch: "Ticket se no
richtig?"
EnergyTruck
Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) schickt
in der Vorweihnachtszeit 2006 einen "EnergyTruck" durchs
südwestliche Bundesland. Das Gefährt soll Spenden für
soziale Hilfsprojekte sammeln und so Werbung mit Wohltätigkeit
verbinden. Vor allem will die EnBW ihren lädierten Ruf pflegen,
der durch überhöhte Strompreise und allerlei Affären
gelitten hat. Mit derselben Rücksichtslosigkeit, mit der sie sonst
ihren Kunden in die Tasche greift, läßt sie deshalb nun den
"EnergyTruck" mit zwei englischen Vokabeln ohne Abstand oder
Trennstrich durchs Ländle rasen. So gerät die deutsche
Sprache gleich doppelt unter die Räder.
"Full house" in der Mannheimer Kunsthalle
Als "Woge malerischer Beliebigkeiten zwischen
Kitsch, albernem Gekrakel, schrillen Fratzen und mangelndem
künstlerischem Temperament" empfand eine Kunstkritikerin*) die
letzte Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Das läßt
sich von der neuen Ausstellung, die am 1. April 2006 eröffnet
wurde, genauso und erst recht sagen. Auf der nach oben offenen Skala
des Kitsches wird hier mit viel Englisch und allerlei
Versatzstücken der Pop-Kultur ein Gipfel an
sprachlich-künstlerischem Schwulst erreicht.
Es fängt schon an mit dem Titel der Ausstellung: "Full house".
In den letzten Jahren hat der neue Kunsthallen-Direktor Rolf Lauter
zahlreiche Bestände der Kunsthalle entfernen und zum Teil sogar in
auswärtigen Depots einlagern lassen, um für irgendwelche
Pop-Inszenierungen Platz zu schaffen. Von einem vollem Haus kann also
keine Rede sein. Vielmehr herrscht im Neubau der Kunsthalle Leere und
Langeweile. Wer da von "Full house" spricht, hat gute
Gründe, das nicht auf deutsch, sondern auf englisch zu sagen.
Es sind ziemlich krüppelige Gewächse,
die sich jetzt dort breitmachen, wo Lauters Kahlschlag gewütet
hat: Man sieht willkürlich ausgewählte Gemälde,
Plastiken, Grafiken, Fotografien, Videoarbeiten und
Medieninstallationen, die erklärtermaßen nichts miteinander
verbindet als der Anspruch, gerade durch die Willkürlichkeit ihrer
Präsentation "hintergründige Cross-over-Konstellationen"
zu bilden, in denen "sich die Werke gegenseitig erhellen".
Auch die einzelnen Räume der Ausstellung "Full House"
sind durchweg mit englischen Bezeichnungen versehen. Hier eine
Aufzählung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
"Love me tender"
"As tears go by"
"Take a walk on the wild side"
"No colors anymore I want them to turn black"
"Small Faces"
"Time is an ocean..."
"Hello darkness, my old friend"
"Let's get physical"
"Simple twist of fate"
"Scheme of things"
"Nature rediscovered"
Wer sich schon früher darüber
geärgert hat, sieben Euro für die Besichtigung von Rolf
Lauters Pop-Kabinett hingelegt zu haben, kann sich wahrscheinlich noch
daran erinnern, einen Teil der Exponate bereits in Räumen gesehen
zu haben, die damals deutsch beschriftet waren. - Das heißt,
eigentlich war es kein Deutsch, sondern etwas ähnliches, eine Art
Pop-Deutsch. Der Kunsthallen-Direktor erfand nämlich Bezeichnungen
wie "KoerperRaum/NacktRaum", "LandschaftsRaum", "NaturRaum" oder
"EigenRaum".
Nun tut es diese affektierte Schreibweise nicht
mehr. Es muß schon englisches Imponiergefasel sein.
Beispielsweise wurde aus dem "KoerperRaum/NacktRaum" das neue
Nuditätenkabinett "Let's get physical". – Diese englischen
Bezeichnungen seien den Räumen angemessen, da sie "als
Elemente unseres kollektiven Gedächtnisses aus der musikalischen
Welt des Pop stammen", läßt sich einer Pressemitteilung
der Kunsthalle entnehmen. Man darf dies wohl als Eingeständnis
werten, daß die Mannheimer Kunsthalle unter der Leitung von Rolf
Lauter mehr Pop als Kunst bietet bzw. beides nicht mehr unterscheiden
kann oder will.
Entschiedenen Widerspruch verdient aber Lauters Behauptung, daß
"Elemente unseres kollektiven Gedächtnisses" bereits auf englisch
umgestellt worden seien. - Es mag zwar sein, daß der
Kunsthallen-Direktor persönlich nur irgendwelche englischen
Pop-Song-Titel im Kopf hat und sie mit anspruchsvolleren
Bewußtseinsinhalten verwechselt. Das berechtigt ihn aber noch
lange nicht, anderen zu unterstellen, es sähe in ihrem
Oberstübchen genauso armselig aus ...
Der treffendste Kommentar zu Rolf Lauters neuester
Pop-Inszenierung stammt übrigens von einem Engländer: In
Mannheim habe er von allen bisher besichtigten Kunststätten "the
worst museum" gesehen, schrieb er in das Gästebuch.
*) Es handelt sich um Christel Heybrock,
frühere Feuilletonredakteurin des "Mannheimer Morgen".
Nachtrag: Am 7. September 2007 gab der Mannheimer
Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) die Ablösung des
Kunsthallen-Direktors Rolf Lauter bekannt, den er einst – in seiner
vormaligen Eigenschaft als Kulturbürgermeister – selber berufen
hatte. Zum Verhängnis wurde Lauter allerdings nicht sein mit
Denglisch gewürzter Schickimicki-Kunstbetrieb, sondern seine
Unfähigkeit, mit Geld vernünftig umzugehen und die zum
Stadtjubiläum geplante Ausstellung "Goya – Manet – Picasso"
termingerecht durchzuführen. Schon im Oktober 2006 war Lauter die
Zuständigkeit für die Finanzen entzogen und eine Aufpasserin
zur Seite gestellt worden. Immerhin sprach sich nun herum, daß er
auch in künstlerischer Hinsicht ein Banause war. "Viel zu lange
hat die Stadt Lauter gewähren lassen", konnte man in der RNZ
(8.9.07) lesen. "Seine 'Neue Kunsthalle' war voll von buntem
Jahrmarkttreiben, ohne Konzept und Zusammenhang, deutlich an
Modeerscheinungen des Kunstmarktes orientiert." Als Beamter ist der
unfähige Kunsthallen-Direktor indessen unkündbar und wird
deshalb nun irgendwoanders in der Stadtverwaltung beschäftigt
werden müssen.
Hommelhoff ist "quiet happy"
"Volkswirtschaftslehre bleibt in Heidelberg -
Rektor Hommelhoff ist 'quiet happy'", lautete eine Überschrift in
der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 21. Oktober 2005, die dem Leser einiges
zumutete. Denn zum einen war der Rektor der Heidelberger
Universität sicher nicht glücklich darüber, daß
seine Pläne zur Verlegung des traditionsreichen Fachbereichs
Volkswirtschaftslehre an die Universität Mannheim nun doch
durchkreuzt worden waren. Er war am Widerstand von Studenten und
Dozenten gescheitert und hatte insofern überhaupt keinen Grund,
dies als persönliches "happy end" zu empfinden.
Eine nicht mindere Zumutung war aber, wie hier der
Rektor einer deutschen Universität einen Kommentar in
Stammel-Englisch abgab, der einige Zweifel weckt, ob dieser akademische
Würdenträger überhaupt noch der deutschen Sprache
mächtig ist. Derselben Ausgabe der "Rhein-Neckar-Zeitung" konnte
man entnehmen, welche Minimalanforderungen in punkto deutsche
Sprachkenntnisse der Bundesgerichtshof an die Einbürgerung von
Ausländern stellt. Wann gibt es ein höchstinstanzliches
Urteil zu den Minimalanforderungen, die der Rektor einer deutschen
Universität zu erfüllen hat?
Außerdem wäre es auch auf englisch
vollendeter Stuß gewesen, wenn sich Hommelhoff "quiet happy"
gezeigt hätte. Wir wollen ihm mal zugute halten, daß hier
der Berichterstatter die beiden englischen Wörter "quiet" und
"quite" verhört bzw. verwechselt hat. Das eine bedeutet soviel wie
"ruhig" und das andere hat den Sinn von "ganz". - So wurde das
Stammel-Englisch, das der Rektor absonderte, von der lokalen Presse in
vollendetes Pidgin-Englisch umgewandelt.
Der Unfug geht indessen weiter: Einer der beiden
Schwerpunkte des Studiengangs Volkswirtschaftslehre wird künftig
"Behavioral Economics" sein. Einer der Unterbereiche soll "Economics of
Governance" heißen. Die erfolgreiche Absolvierung des
Studiengangs wird mit der akademischen Würde eines "bachelor" oder
eines "master" belohnt.
Als Radikallösung schlagen wir vor, den
ganzen Fachbereich gleich in "Bullshit Economics" umzubenennen. Damit
würde klargestellt, daß hier Volkswirtschaftslehre nicht in
der Tradition Alfred Webers gelehrt werden soll, sondern nach dem
denglischen Gusto von Uni-Bürokraten.
Faust singt - und das auf englisch
Bei den Heidelberger Schloßfestspielen 2005
wurde eine äußerst eigenwillige Fassung von Goethes Urfaust
gezeigt. Zum Beispiel spricht Faust seinen einleitenden Monolog (Da
steh ich nun, ich armer Tor...) nicht in einem "hochgewölbten
engen gotischen" Gelehrtenzimmer, wie es die überlieferte Fassung
vorsieht, sondern in einer Kneipe. Er spricht ihn auch nicht
nüchtern, sondern ziemlich angesäuselt, weil der Regisseur
anscheinend der Meinung ist, daß existentielle Krisen mit
übermäßigem Alkoholkonsum zu tun haben. Außerdem
wird der Monolog noch ständig durch spaßige Kommentare des
Barmanns hinter der Theke unterbrochen, der nur bruchstückhaft
Deutsch kann und deshalb beispielsweise mit einem Besen fuchtelt, weil
er "kehren" anstelle von "bekehren" versteht.
Den Gipfel der Dummheit erreicht die
Inszenierung, wenn Gretchen wissen möchte, wie ihr Heinrich es
denn mit der Religion halte: Da setzt sich Faust hin und trällert
ein englisches Liedchen. Und auch später, als Gretchen ihrer
Hinrichtung entgegensieht, fällt ihm dazu nochmals ein englischer
Song ein, als ob der Urfaust ein Musical wäre.
Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdets
nicht erjagen, heißt es in der ersten Szene des Urfaust. In
diesem Sinne ist bei manchen Regisseuren wohl Hopfen und Malz verloren.
Sie werden nie kapieren, um was es eigentlich im Faust oder in anderen
Stücken geht.
Diese Inszenierung paßte jedenfalls zum
Faust - der zu Recht als das bedeutendste Werk der deutschen Literatur
gilt - wie die Faust aufs Auge! Nebenbei zeigte sie ein weiteres Mal,
wie Unbildung und Banausentum in diesem Lande auf englisch daherkommen.
Doch es gibt Anlaß zur Hoffnung: Ein
Intendantenwechsel steht bevor, und auch sonst dürfte sich mit der
der neuen Spielzeit 2005/06 am Heidelberger Theater einiges
ändern.
Endlich mal ein Französismus!
Bei der Flut von Anglizismen tut es richtig gut,
mal einem "Französismus" zu begegnen. Das Heppenheimer
Mineralwasser-Unternehmen "Odenwald-Quelle" hat seine Produktpalette,
die so grausige Bezeichnungen wie "Fresh Apple", "Wellness", "Lemon
Water" oder "Odina life" umfaßt, um "Naturel" erweitert. Das
Mineralwasser ohne Kohlensäure heißt also nicht "Natural",
wie es dem üblichen denglischen Imponiergefasel entspräche,
sondern trägt den Zusatz "Naturel", der unverkennbar
französischen Ursprungs ist.
Vermutlich hatten die Heppenheimer Marktstrategen
dabei "Volvic naturelle" im Blick, jenes Wasser aus den Tiefen des
französischen Zentralmassivs, das hierzulande für über
90 Cent pro Liter im Supermarkt angeboten wird und sich trotz dieses
Diesel-Preises ganz gut verkauft, weil der Danone-Konzern sein Produkt
als "die stille Kraft des Vulkans" anpreist.
Nun läßt sich dem Odenwald kein
vulkanischer Ursprung andichten. Das war wohl der Grund, weshalb die
Werbetexter der Firma Odenwald-Quelle die stille Kraft des Odenwalds
mit seinen nicht vorhandenen Vulkanen in das Attribut "naturel"
gekleidet haben. Die klammheimliche Anleihe bei der französischen
Konkurrenz wollten sie dann aber doch nicht zu erkennen geben, indem
sie "naturelle" in "naturel" verkürzten. Auch das klingt noch
irgendwie französisch. Allerdings wird damit aus einem weiblichen
Attribut ein männliches. Und somit erhebt sich die Frage, auf was
sich dieses Attribut beziehen soll. Etwa auf "source", wie dies
normalerweise bei französischen Mineralwasser-Etiketten der Fall
ist? - Aber die Quelle ist im Französischen wie im Deutschen
weiblichen Geschlechts. Auch das Wasser ("eau") würde "naturelle"
als Attribut verlangen, da es im Französischen ebenfalls weiblich
ist. Auf was also mag sich "naturel" beziehen?
Vorschlag zur Güte: Das "naturel" bezieht
sich auf "truc", was im Französischen männlichen Geschlechts
ist und soviel wie Dreh, Kniff oder Schwindel bedeutet...
Arme "Schwarzwaldperle"!
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Wie haben sie Dich zugerichtet, die
Werbe-Fuzzis und Marktstrategen der Peterstaler Mineralquellen GmbH in
Bad Rippoldsau! - Jahrzehntelang warst Du als "Schwarzwaldperle"
bekannt. Dann kam die Anglomanie auch nach Bad Rippoldsau und machte
aus Dir die "Black Forest Pearl" - obwohl Deine Käufer nach wie
vor Deutsche sind.
"Mit wenig Kohlensäure" hätte es
früher wohl auf dem Etikett geheißen. Nun steht da "Medium".
Der Rest der Beschriftung ist noch in Deutsch. Aber wie lange noch?
Wann wird aus der Hansjakobquelle der Johnjamesspring?
Am besten verhindert man die Ausbreitung
solchen Schwachsinns, indem man die Ware einfach nicht kauft (es gibt
genug andere Mineralwässer ohne englisches Imponiergehabe). Das
ist die einzige Sprache, die die Marktstrategen und Werbe-Fuzzis
wirklich verstehen!
Ein weiteres Mittel, um die Ausbreitung
solchen Schwachsinns zu verhindern, ist der Beitritt zum Verein
Deutsche Sprache (VDS).
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Ein Racketeer, wer Schlechtes dabei denkt
In Nußloch hat ein "Racket-Center"
aufgemacht, das am 20./21. November 2004 ein "Gesundheitswochenende"
anbietet (eigentlich hätte man an dieser Stelle ein "Health-" oder
"Wellness-Weekend" erwartet, aber ganz ohne Deutsch geht es anscheinend
doch nicht, wenn man etwas verkaufen will). Zu den "Highlights" des
Etablissements gehören "Indoor Cycling", "Nordic Walking",
"Relaxing", "Aqua Fitness" und "Power Dumbell".
Wow! Das fetzt! Man braucht sich nur vorzustellen,
wie armselig das auf Deutsch klingen würde: Wie da einer auf dem
Steh-Fahrrad vor sich hin strampelt (Indoor Cycling), mit zwei
Stöcken herumtapert (Nordic Walking), einfach mal nichts tut
(Relaxing) oder sich in die Badewanne legt (Aqua Fitness). Bei "Power
Dumbell" verläßt uns allerdings die Vorstellungskraft. Ob
das soviel wie geballte Dummheit heißt? - Ein Blick ins
Wörterbuch gibt uns zumindest teilweise recht: "Dumbell" bedeutet
soviel wie "Hantel" oder auch "Dummkopf".
Das größte aller Rätsel bleibt
indessen das "Racket-Center". Das "Center" verstehen wir ja noch. Mit
diesem Zusatz wird bekanntlich jeder Tante-Emma-Laden zum
Einkaufs-Center aufgeblasen. Aber was ist unter "Racket" zu verstehen?
In unserer Verzweiflung schlagen wir in "Webster's Encyclopedic
Unabridged Dictionary of the English Language" nach und finden nicht
weniger als acht mögliche Bedeutungen:
- Tennis- oder Federballschläger
- Tischtennis-Schläger
- Gesellschaftliches Spektakel
- Alkoholschmuggel oder Erpressung von
Geschäftsleuten
- Unseriöse Geschäftspraktiken
- Organisierte illegale Praktiken
(vorherrschende Bedeutung)
- Tätigkeit, Lebensweise oder
Lebensunterhalt (Slang)
- Eine leichte oder einträgliche Art zur
Bestreitung des Lebensunterhalts (Slang)
Neben Tennis, Federball und anderen mit
Schlägern betriebenen Sportarten bleiben somit sechs mögliche
Bedeutungen übrig, die überwiegend krimineller Art sind.
Davon abgeleitet gibt es im Englischen den Begriff "racketeer" für
äußerst schlitzohrige, erpresserische Geschäftemacher.
Ob man unter diesen Umständen die Staatsanwaltschaft Heidelberg
bitten sollte, der Sache mal auf den Grund zu gehen?
Aber halt! In der Zeitungsanzeige, die das
"Gesundheitswochenende" anpreist, ist auch noch eine Internet-Adresse
angegeben. Klicken wir also auf www.racket-center.com. Vielleicht ist
alles ganz harmlos. Und tatsächlich: Hier ist auch von Tennis,
Badminton, Squash und Basketball die Rede. Neben vielem anderem
allerdings. Und das hört sich so an: "Events & Incentives",
"Workshops & Seminare", "Camps & Turniere", "Promotion &
Promis", "Exhibitions & Performance"...
"Science Tower" mit "Skylounge"
Der Heidelberger SRH-Konzern (früher Stiftung
Rehabilitation) lud am 9. Oktober 2004 zu einem Tag der offenen
Tür, bei dem die neue Fachhochschule auf dem Wieblinger
SRH-Gelände besichtigt werden konnte. Die Gebäude sind
architektonisch recht ansprechend. Umso unangenehmer fielen die
zahlreichen Verunstaltungen der deutschen Sprache auf: Zum Beispiel
wird der zentrale Turmbau der Fachhochschule als "Tower" bzw. "Science
Tower" bezeichnet. Ganz oben in diesem "Tower" befindet sich eine
"Skylounge". Um dem Publikum zu signalisieren, daß es doch
bitteschön keine Zigarettenasche und Pommes frites verstreuen
möge, hingen beim Tag der offenen Tür überall
Pappschilder mit den rot durchstrichenen Wörtern "smoke", "drink"
und "eat". Für den Abend wurde zu einer "Opening Party" in den
Karlstorbahnhof eingeladen. Die SRH-Tochter, zu der die Fachhochschule
gehört, heißt natürlich "SRH Learnlife AG". Und weil
sich auf englisch so wunderbar hochstapeln läßt,
schmückt sich die Fachhochschule mit dem Zusatz "University of
applied sciences".
Geradezu rührend wirkte in dieser Umgebung
ein Prospekt, den die Mannheimer Niederlassung des Goethe-Instituts
verteilte: "Deutsch lernen in Mannheim - Heidelberg".
Institut für Kauderwelsch
Das "Institut für deutsche Sprache" in
Mannheim ist neuerdings ins Gerede gekommen, weil es als einer der
Hauptverantwortlichen für die mißglückte
Rechtschreibreform gilt. Aber auch sonst macht es seinem Namen und
seinem Zweck alle Unehre, wie die folgende Stellenausschreibung zeigt:
"Gesucht wird Mitarbeiter für folgende
Aufgaben: Allgemeine Supervisorprobleme bei Frage- und
Antwortprozessen, Parsing und Pattern-Matching über einer normalen
Sprache und Multiprocessing-Verfahren. Wir bieten die Möglichkeit
zur Einarbeitung in eine very high level language aus dem Bereich
Artificial Intelligence."
Klar verständliche Worte
"Formuliere in klar verständlichen Worten:
den consumer benefit, die reason why's und die tonality."
(Aufgabenstellung im Fach Werbelehre am
Berufskolleg für Grafikdesign in Mannheim)
Neues von Saimens
Siemens gibt zweimal jährlich die Zeitschrift
"Pictures of the Future" heraus, die über Trends wie die
"Always-on-Gesellschaft" berichtet, im übrigen aber - wer
hätte das gedacht - auf deutschsprachige Leser zielt.
Außerdem hat Siemens jetzt die Zukunftsstudie "Horizons2020"
vorgelegt, deren Denglisch-Titel auch insofern zu neuen Horizonten
führt,
alserdenAbstandzwischendenWörterneinfachwegläßt.
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