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Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.)

Thomas Young (1773 - 1829)

W. Thomson (1824 - 1907

Wegbereiter des modernen Energiebegrifs

Vom göttlichen Geist zur physikalischen Kraft

Wie der Begriff "Energie" entstanden ist und sich verändert hat

Die sinnlosen Bemühungen um ein Perpetuum mobile hatten damit zu tun, daß den Menschen jegliche Vorstellung von Energie und ihren physikalischen Gesetzmäßigkeiten fehlte. Den Begriff der "Energie" gab es zwar, aber nicht in seiner heutigen Bedeutung. Man verstand darunter so etwas ähnliches, wie wenn man heute sagt, ein Mensch sei sehr "energisch" oder packe eine Sache "mit viel Energie" an.

Dieser Energie-Begriff hat ein ehrwürdiges Alter. Er taucht als "energeia" erstmals in den Schriften des spätgriechischen Philosophen Aristoteles auf. Er steht für den quasi göttlichen Geist, der dem bloß Möglichen zur Gestalt verhilft. Die "energeia" ist Seele, Erkenntnis, Leben. In der Sichtweise des Aristoteles ist alles Geschehen der Übergang aus dem Zustand des Vermögens ("dynamis") in den der Wirklichkeit und Wirksamkeit ("energeia") durch die Tätigkeit einer Form ("eidos").

In diesem Sinne sprach noch Wilhelm von Humboldt von der Energie als "erster und einziger Tugend des Menschen". Und sogar in der Wissenschaft überlebte dieser spiritualistische Energie-Begriff bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Auffassung der "Vitalisten", daß alle Menschen, Tiere und Pflanzen von einer besonderen Lebenskraft beseelt seien.

Seine naturwissenschaftliche Bedeutung erhielt der Begriff Energie erst, nachdem der Engländer Thomas Young 1802 vorschlug, damit das Arbeitsvermögen von Maschinen zu bezeichnen. Als Fähigkeit zur Verrichtung physikalischer Arbeit definierte ihn erstmals 1829 der Franzose Jean V. Poncelet. Danach war es vor allem der Engländer William Thomson, der mit Hilfe des Energie-Begriffs den neuen physikalischen Zweig der Thermodynamik entwickelte: Sämtliche Arten der Wärme, von der Dampfmaschine bis zur Körpertemperatur, wurden nun als Form der Energie erkannt. Vor allem die Elektrizität setzte der Erkenntnis buchstäblich ein Licht auf. Eindringlicher als durch den elektrischen Strom konnte gar nicht demonstriert werden, wie sich Energie wahlweise und sogar reversibel in Bewegung, Licht, Wärme oder chemische Reaktionen verwandeln läßt. So gelangte man schließlich zum heutigen, umfassenden Energiebegriff, über den Max Planck 1913 schrieb, daß er "für alle naturwissenschaftlichen Spekulationen ... den solidesten Ausgangspunkt" biete.

In Deutschland wurde im Sinne von Energie zunächst das Wort "Kraft" verwendet. Noch lange sprachen nicht nur die Laien, sondern auch Physiker von "Kraft", wenn sie eigentlich die Energie bzw. das Arbeitsvermögen meinten.